Pfaffendorf (Szarocin)

(Verfasser: Hella Tegeler)

Pfaffendorf liegt 8 km südwestlich von Landeshut. Nachbarorte sind Röhrsdorf im Norden, Reußendorf und Schreibendorf im Nordosten, Reichhennersdorf im Osten, Johnsdorf im Südosten, Michelsdorf und Hermsdorf städt. im Süden, Dittersbach städt. und Haselbach im Westen.

Erwähnt wurde Pfaffendorf erstmals 1292 in der Stiftungsurkunde des Klosters Grüssau als "Sorotindorff". Der Ort gehörte zu den 14 Dörfern, die zusammen mit der Stadt Liebau dem Kloster mit allen Abgaben Rechten und Pflichten übertragen wurden und den Grundstock des Stiftslandes bildeten. Später kam für "Sorotindorff" die Bezeichnung "Pfafindorff" auf, aus der sich die Schreibweise "Pfaffendorf" entwickelte. Um 1350 wurde Pfaffendorf dem herzoglichen Kastellan Conrad von Czirnan in (Bolken)Hayn überlassen und fiel nach dessen Tod wieder an das Kloster zurück. Später gehörte es den Familien von Wallenberg, von Seidlitz und von Leckow. Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer gelangte es 1392 an die Krone Böhmen.

Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte es zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Pfaffendorf war seit 1874 Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks, zu dem auch die Landgemeinden Neu Weißbach, Nieder Haselbach (bis 31.12.1907) sowie der Gutsbezirk Pfaffendorf gehörten. Sowohl die zuständige katholische als auch die evangelische Kirche befanden sich im Nachbarort Haselbach. Im Ort befand sich eine evangelische Schule. Auch das zuständige Standesamt war im Ort. Einwohnerzahl: 1925 = 752 (davon 690 evangelisch), 1939 = 715. Heute gehört Pfaffendorf zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Aufgrund einer Verwaltungsreform wurden am 01.10.1928 die Dörfer Eventhal und Moritzfelde in den Ort Pfaffendorf eingemeindet.
Eventhal
wurde erstmalig 1713 erwähnt. Es handelte sich um ein reines Weberdorf mit 19 Freihäuslern. Man fragt sich, woher kommt der Name "Eventhal" und warum heißen etwa drei Häuser zusammen "Johannesthal"? Hierüber gibt es folgende Sage: "In einem Schreibendorfer Herrenhaus lebte eine Familie, deren einzige Tochter Eva hieß. Diese war in heißer Liebe zu einem Johannes, dem Sohne aus einem der so nahe gelegenen Rittersitze, entbrannt. Alles wäre soweit gut gewesen, aber die Verschiedenheit des Glaubens trennte in jener Zeit, da so heiße Kämpfe zwischen "lutherisch und römisch" ausgefochten wurden, die treuesten Liebenden. So griff Johannes zum ritterlichen Schwerte, um im Kriegsgewühl wohl lieber den Tod zu finden. Eva dagegen zog es in ein stilles, von silbernem Bächlein durchrauschtes, von bewaldeten Bergen umschlossenes Laubthal: dort, wo das Bächlein in den Schweinlich sich ergießt, um dann mit ihm zusammen dem Bober zuzufließen, ließ sich Eva nieder, mancherlei Schützlinge um sich sammelnd und gründete "Eventhal". Johannes, der Eva treu verblieben war, kehrte gesund zur Heimat zurück. Er betrachtete es als eine Gnade, dass er sich den Schützlingen, die sich um Eva versammelt hatten, zuordnen konnte. In Evas Nähe gründete er seinerseits "Johannesthal" und konnte nun wenigstens noch in getreuer Nachbarschaft mit der Unvergessenen leben."

Moritzfelde wurde 1784 errichtet und nach dem Erbauer, dem Besitzer der Grundherrschaft des benachbarten Schreibendorf, Hans Moritz Crauss von Crausendorf genannt. Es bestand nur aus 19 Stellen. Zwischenzeitlich kamen weitere hinzu. Jeder Moritzfelder Weber konnte eine Kuh auf die gutsherrschaftliche Weide treiben lassen. Über die Gründung der Ortschaft Moritzfelde gibt es folgende Sage: 1783 war Hans Moritz Crauss von Crausendorf Erbherr auf Schreibendorf. Als durch die Schuld eines Hirtenjungen, der seine Herde nicht ordentlich betreute, ein wertvolles Tier zu Schaden kam, rief der erzürnte Gutsherr dem Gutsvogt zu: "Werft den Lumpen ins Gefängnis!" Ruhig nahm der Übeltäter die Strafe auf sich; doch kaum war die Tür zum Gefängnis verriegelt, so durchdrang die gellende Stimme des Gefangenen den Gutshof. "Herr, wir müssen dem Jungen helfen, eine Kreuzotter hat ihn gebissen", rief der Vogt dem Gutsherrn zu. "Unsinn, lasst ihn!" erwiderte der in seinem Zorn. Eine Stunde später war der Junge tot. Das Gericht verurteilte den Gutsherrn zum Tode aber der König begnadigte ihn. Doch die seidene Schnur sollte er tragen, vierzig Wirtschaften erbauen lassen und diese mit Leuten von der Landstraße besetzen. Neben der 1713 vom Schreibendorfer Gute abgezweigten Kolonie Eventhal, entlang an der Pfaffendorfer Grenze, entstanden zwanzig Häuschen. Etwa drei Morgen, Acker oder Wiese wurden jedem beigegeben. von der Landstraße und von den Zäunen lud Hans Moritz Crauss von Crausendorf die ein, die ein widriges Geschick hinaus gestoßen hatte in Elend, Sünde und Schande. Am Morgen Enterbte, waren so am Abend im Besitz von Haus, Heim und Scholle, bereit, in ernster Arbeit Schuld und Schmach zu sühnen und Kindern und Enkeln eine bessere Zukunft zu schaffen. Königliche Gnade erließ dem Gutsherrn den Bau der letzten zwanzig Hufe.

Quellen:
- Anhang aus dem Adressbuch von 1911 des Kreises Landeshut
- Jubelbuch der ev. Kirchgemeinde Ober Haselbach - April 1842
- Jubelbuch der ev. Kirchgemeinde Ober Haselbach - April 1892
- Knie, J. G.: Übersicht der Dörfer, Flecken und Städte der königl. preuß. Provinz Schlesien, 1845
- Moritz, Hella (heute Tegeler, Hella): Orts- und Familienchronik über Alt Weißbach, Haselbach,
   Pfaffendorf und Reußendorf, Drensteinfurt 2006, 1. Auflage
- Pohlendt, Heinz: Die Landeshuter Passlandschaften, Priebatschs Buchhandlung Breslau 1938
- Zimmermann, Friedrich Albert: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, 5. Band, 1785


Die drei folgenden Bilder zeigen Pfaffendorf mit den Namen der Hausbesitzer und den jeweiligen Hausnummern.



Der Bahnhof:

Als mit den Planungen der Bahnstrecke Landeshut - Schmiedeberg - Hirschberg begonnen wurde, sollten die Orte Pfaffendorf und Haselbach ursprünglich einen gemeinsamen Bahnhof erhalten, Dies entsprach aber nicht den Vorstellungen der Gutsbesitzerin Frau von Heinen, da sie den Bahnhof unbedingt in der Nähe ihres Gutes haben wollte. Aus diesem Grunde stiftete sie das Gelände, auf dem dann später der Bahnhof errichtet wurde.

Der Pfaffendorfer Bahnhof - früher

Das Wohnhaus für den Bahnhofsvorsteher (Aufnahme: 1980)

Die Gastronomie:

Wegen seiner vorzüglichen Lage herrschte in diesem kleinen Riesengebirgsort zu jeder Jahreszeit ein lebhafter Fremdenverkehr. Pfaffendorf war Haltestation der Landeshut-Schmiedeberger Bahn. Ferner führte die Hauptstraße von Landeshut Richtung Schmiedeberg durch Pfaffendorf, so dass der Ort auch verkehrsgünstig sehr gut gelegen war. Im Sommer kamen die Feriengäste aus den größeren Städten, z. B. aus Breslau, "ei die Summerfrische uff`s Dorf". Auch Berliner Urlauber weilten in Pfaffendorf. Manche, die bereits jahrelang kamen, hatten schon ihre festen Quartiere in privaten Häusern reserviert und auch in den Gast- und Logierhäusern, teils mit, teils ohne Verpflegung.
Im Ort gab es vier Gasthäuser bzw. Logierhäuser:
1. Im Oberdorf:                                            "Der Gerichtskretscham"
2. Im Mitteldorf:                                          " Das Hotel "Graf Moltke"
3. In Eventhal:                                             " Der Gasthof "Zur Linde"
4. Gutsbezirk Pfaffendorf:                         " Die Brauerei"

Auf der linken Seite des Bildes: "Der Gerichtskretscham" 

(Besitzer: Familie Leder)

Hotel "Graf Moltke" (Besitzer: August Beck, später Richard Wagner)

Eventhal: Der Gasthof "Zur Linde" 
(Besitzer: Hermann und Martha Leder) 
 Pächter: Ehepaar Karl und Gertrud Kretschmer

Das Gastwirtsehepaar Karl Kretschmer und Gertrud, geb. Rummler mit Mutter bzw. Schwiegermutter, 
der Kretschambesitzerin Pauline Rummler aus Haselbach

Die "Brauerei" im Gutsbezirk Pfaffendorf
Die Rittergutsbesitzerin Frau Kammerherr von Heinen ließ an Stelle der früheren "Herrschaftlichen Brauerei", deren Lokalitäten und Bauzustand der Neuzeit nicht mehr entsprachen, im Jahre 1908 einen Neubau errichten. Die Bearbeitung des Entwurfs (s. Bild unten) wurde dem Maurermeister August Welz aus Landeshut übertragen, welchem dann auch die gesamte Bauausführung übergeben wurde. Am 1. März 1908 wurde mit dem Abbruch des alten Gebäudes begonnen und am 1. Oktober 1908 wurde das neue Gebäude fertiggestellt. Im Kellergeschoss waren die Wirtschafts- und Lagerkeller sowie eine Badestube und eine Waschküche untergebracht. Im Erdgeschoss befanden sich zwei Gastzimmer, Küche und ein großer Saal mit Bühne. Im Ober- und Dachgeschoss lagen die Wohnung des Wirtes sowie Fremdenzimmer. Inhaber der Brauerei waren Friedrich Pohl und später Erich Tschiche.

In der Mitte der Karte das alte Gebäude der Brauerei

Gast- und Logierhaus "Brauerei" (Bauzeichnung)

Gast- und Logierhaus "Brauerei" (Neubau)

Die evangelischen Schulen:

Das erste Schulgebäude wurde mit großzügiger Unterstützung des damaligen Grundherren von Seylitz Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Im Laufe der Jahre erfolgten mehrfache Renovierungen und Umbauten, z. B. in den Jahren 1823 und 1882. Die Lehrerwohnung wurde 1882 massiv umgebaut und vergrößert; sie erhielt einen Keller und eine Küche. Die Kosten betrugen damals 2.102 Mark. 1889 wurde für 1.000 Mark das Schulgebäude mit Schiefer gedeckt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde aber über einen Neubau nachgedacht, da die Schulstube viel zu klein war und ein ordnungsgemäßer Unterricht nicht mehr gewährleistet werden konnte. Eine Schulklasse umfasste ca. 70 - 80 Kinder.

Rechts oben das alte Schulgebäude

Das alte Schulgebäude im Jahre 1977

Es sollten aber noch 24 Jahre vergehen, bis im Jahr 1913 ein neues Schulhaus gebaut wurde. Dieser Schulbau war aber mit ganz erheblichem Ärger im Vorfeld verbunden. Frau von Heinen, Besitzerin des Pfaffendorfer Dominiums, wollte einen Bauplatz an der Hauptstraße im Unterdorf zur Verfügung stellen. Dieser Plan stieß aber auf großen Widerstand bei den Bauern von Ober-Pfaffendorf. Sie waren dagegen, dass ihre Kinder im Unterdorf zur Schule gehen sollten. Um das Vorhaben rückgängig zu machen, wurden sie bei dem Regierungspräsidenten in Liegnitz vorstellig, allerdings ohne Erfolg. Daraufhin trugen sie ihre Bedenken Frau von Heinen vor, diesmal mit Erfolg. Es wurde ein neuer Bauplatz gesucht, und die Schule konnte endlich gebaut werden, allerdings nur für eine Schulklasse. Den Bau einer Zweiklassen-Schule genehmigte der Regierungspräsident in Liegnitz zum damaligen Zeitpunkt noch nicht. Nach Fertigstellung der neuen Schule wurden die Räume im bisherigen Schulgebäude als Wohnungen vermietet.
Im Jahre 1937 wurde ein neues Schulgebäude für zwei Schulklassen errichtet. Zur besseren Unterscheidung erhielt das bisherige Schulhaus nunmehr den Namen "Die Buchert-Schule", benannt nach dem damals als Lehrer tätigen Alfred Buchert. Auf dieses neue Schulgebäude war die Bevölkerung sehr stolz. In dem Neubau befanden sich das Konferenzzimmer, eine modern eingerichtete Lehrküche sowie eine Badeeinrichtung.

Das im Jahre 1913 eingeweihte Schulgebäude (die sog. "Buchert-Schule)

Einweihung des neuen Schulhauses (die spätere "Buchert-Schule)

Das neue Schulgebäude (Aufnahme: ca. 1937)

Die Pfaffendorfer Schulen (links: das neue Schulgebäude, 

rechts: die sog. "Buchert-Schule)

Zum Schulbezirk der Eventhaler Schule gehörten die beiden Gemeinden Eventhal und Moritzfelde. Bis zum Jahre 1749 besuchten die Kinder dieser beiden Orte die Schule im Nachbardorf Schreibendorf. Da der Schulweg jedoch sehr weit war, durften die Eventhaler und Moritzfelder Kinder ab diesem Zeitpunkt bis zum Jahre 1772 die wesentlich näher liegende Schule in Pfaffendorf besuchen. Danach wurde in Eventhal eine Stube gemietet, die als Schulzimmer diente. Erst im Jahre 1785 konnte die Gemeinde Eventhal ein eigenes Schulgebäude erwerben. Aber auch dieses Haus entsprach im Laufe der Jahre nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen, die an eine moderne Schule gestellt wurden. Die Gemeinde sah sich daher gezwungen, 1878 ein neues Schulgebäude zu errichten, welches direkt neben dem alten Haus gebaut wurde. Die Baukosten übernahm zum größten Teil die Königliche Regierung, welche 6.300 Mark zur Unterstützung der armen Gemeinde bewilligte. 945 Mark wurden durch den Verkauf des alten Schulhauses erzielt. Nach der Errichtung des neuen Zweiklassen-Schulgebäudes in Pfaffendorf erfolgte 1938 die Auflösung der Eventhaler Schule.

Das Eventhaler Schulgebäude

Schülerinnen und Schüler der Eventhaler Schule mit ihrem Lehrer Helmut Stark (Aufname: 1930)

Haus Nr. 2 - Bauerngut der Familie Menzel

Ehepaar August und Bertha Menzel im Garten ihres Hauses Nr. 2 (Aufnahme: ca. 1920)

Albert Menzel bei der Feldarbeit (Sohn von August und Bertha Menzel)
Aufnahme: ca. 1936

Haus Nr. 5 - Bauerngut Heinrich Hübner

Haus Nr. 8 - Bauerngut der Familie Heinrich Kuhn
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 9 - Familie Fels, im Hintergrund das Haus Nr. 8 (Familie Kuhn)
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 10 - Familie Kambach
(Aufnahme: 2002)

Haus Nr. 14 - Frau Elisabeth Rauer, geb. Kuhn
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 17 - Familie Wilhelm Drescher
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 23 - Familie Gustav Caspar
In diesem Haus befand sich ein kleines Lebensmittelgeschäft. Bevorzugt wurde es von den Bewohnern Ober-Pfaffendorfs, da dieser kleine Laden für sie die einzige Einkaufsmöglichkeit war.
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 32 - Familien Tautz/Weiß, im Hintergrund das 
Haus Nr. 35 - Familie Wilhelm Ende
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 35 - Familie Wilhelm Ende
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 38 (Schindelmacher Ernst Prox)

Besitzer dieses Hauses war der Schindelmacher Ernst Prox. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sah man in den Gebirgsdörfern noch sehr viele Holzhäuser, deren Dächer mit Holzschindeln gedeckt waren, so auch in den Dörfern des Kreises Landeshut. Es handelte sich hier meistens um die Häuser der Kleinbauern und Häusler. Wegen der erhöhten Brandgefahr war aber die überwiegende Anzahl der Häuser bereits mit Dachziegeln gedeckt, so dass der Beruf des Schindelmachers langsam ausstarb.

Zum Schindelmachen gehörte vor allem Holz, das möglichst astfrei sein musste, denn astiges Holz ist schwer zu spalten und zu schneiden. Daher suchte sich ein richtiger Schindelmacher die Bäume, so wie er sie brauchte, selber im "Pusche" (im Wald) aus. Er fällte sie dort und beförderte sie als Langholz heim. Dann wurden sie in Schindellänge geschnitten. Jeder "Klippel" (Klotz) wurde so gespalten, dass er schon die Form einer Schindel erkennen ließ. Anschließend wurden in die fertig geschnittenen Schindeln mit einer "Nieger" (Nutenzieher) die Nuten (Einkerbungen) gezogen. Damit die Schindeln beim Verlegen gut ineinander passten, musste dies sehr akkurat ausgeführt werden.

Ernst Prox gehörte neben Ferdinand Walter in Pfaffendorf-Eventhal, Paul Exner in Hermsdorf städt. und Karl Tippelt in Michelsdorf zu den letzten Schindelmachern im Kreis Landeshut. In Pfaffendorf und Umgebung hat er noch bis ins hohe Alter hier und dort den Kleinbauern und Häuslern sowie den Waldarbeitern die Schindeln für ihre Häuser angefertigt, wenn diese ein neue Bedachung aus heimischen Holz benötigten.

Haus Nr. 38 - Schindelmacher Ernst Prox
(Aufnahme. 1978)

Haus Nr. 38 - Schindelmacher Ernst Prox

(Aufnahme: 2015)

Haus Nr. 42 - Familie Wilhelm Reimann
(Aufnahme: 1985)

Haus Nr. 44 - Familie Alfred Drescher
(Aufnahme: 2002)

Haus Nr. 46 - Familie Jarosch
(Aufnahme: 2002)

Haus Nr. 47 - Familie Erich Gottschalk
(Aufnahme: 2006)

Haus Nr. 48 - Familie Heinrich Kühn (Aufnahme: ca. 1930)

Haus Nr. 48 - Familie Heinrich Kühn (Aufnahme: ca. 1930)

Haus Nr. 49 - Familie Max Oberlack

Haus Nr. 50 - Schuhmacher Hermann Feind
Dieses Haus brannte um 1926 ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Haus Nr. 55 - Der Bittner-Hof
(Aufnahme: 1980)

Haus Nr. 55 - Der Bittner-Hof
(Aufnahme: 2015)

Haus Nr. 59 - Familie Oswald Klose
(Aufnahme: 2006)

Haus Nr. 60 - Familie Wilhelm Friebe

Haus Nr. 62 - Familie Gustav Schubert (Aufnahme: ca. 1910)
Dieses Haus wurde nach 1925 von der Familie Gustav Hämpel erworben.

Haus Nr. 63 - Besitzer: Georg Bittner, später Georg Emmeluth,

 nach 1938 Tischlerei Feifar

Haus Nr. 67 - Familie Alfred Friebe
(Aufnahme: Mai 2006)

Haus Nr. 70 - Kolonialwarengeschäft der Familie Kühn

Haus Nr. 72 - Familie Gustav Pohl
(Aufnahme: 1990)

Haus Nr. 76 - Familie Erich Fichtner
(Aufnahme: 1990)

Haus Nr. 78 - Schuhmachermeister Paul Künzel, im Hintergrund: 
Haus Nr. 73 - Bäckerei Rabe, davor die Scheune der Bäckerei.
(Aufnahme: Mai 2006)

Haus Nr. 80 - Villa des früheren Fabrikbesitzers Karl Bittner

Nach 1938 erwarb der Tischlermeister Richard Eckert 
aus Schreibendorf das Haus.

Haus Nr. 81 (Bäckerei Drescher und Standesamt)

Dieses Haus gehörte dem Bäckereibesitzer Gustav Drescher. Geboren wurde er in Haselbach, aber bereits in jungen Jahren zog es ihn nach Pfaffendorf. Nach der Absolvierung seiner Militärzeit arbeitete er zwei Jahre als Kutscher bei dem Fabrikbesitzer Karl Bittner in Pfaffendorf. Doch diese Tätigkeit behagte ihm auf Dauer nicht. Er wollte selbstständig sein und kündigte. Als er Karl Bittner seinen Entschluss mitteilte, fragte dieser ihn nach seinen Plänen. Gustav Drescher sagte ihm, er beabsichtige ein Haus zu kaufen und eine Bäckerei zu eröffnen. Karl Bittner warnte ihn und gab zu bedenken, dass in Pfaffendorf bereits eine Bäckerei vorhanden sei, aber Gustav Drescher ließ sich von seinem Vorhaben nicht mehr abbringen. Er kaufte das Haus Nr. 81 mit Landwirtschaft und eröffnete hier seine Bäckerei.
Neben seinen Aufgaben als Landwirt und Bäckereibesitzer übte er sehr viele Ehrenämter aus. Gemeinsam mit Wilhelm Hartmann gründete er 1911 den Landwirtschaftlichen Lokalverein, den er bis zum Jahr 1934 als Vorsitzender führte. 1915 - 1922 war er Gemeindevorsteher, 4 Jahre Amtsvorsteher, 10 Jahre Schöffe beim Amtsgericht Landeshut und 2 Jahre Geschworener beim Landgericht in Hirschberg. 9 Jahre war er Kreistagsmitglied, 10 Jahre Mitglied der Steuereinschätzungskommission und ferner Vorsitzender der Elektrizitäts-Genossenschaft Pfaffendorf, Dittersbach städt., Haselbach und des Militärvereins. Darüber hinaus war er in Pfaffendorf 17 Jahre als Standesbeamter tätig. Das Standesamt war im Wohnhaus untergebracht, viel Platz war jedoch nicht vorhanden. Es musste daher improvisiert werden. Im Schlafzimmer wurde ein Vorhang angebracht, so dass hinter dieser Abtrennung die Trauung vollzogen wurde.

Auf dem folgenden Bild steht Gustav Drescher (2. von rechts) mit seiner Familie vor seinem Haus. Während einer Geschäftsreise besuchte ihn der Müllermeister Riedel aus Rudelstadt.

Haus Nr. 83 - Schmiedemeister Wilhelm Emmrich
(Aufnahme: Mai 2006)

Haus Nr. 84 - Fleischerei Fritz Drescher
(Aufnahme: 1978)

Haus Nr. 86 - Familie Alfred Hämpel (Aufn. vor dem Krieg)

Familie Hämpel vor ihrem Haus

Von links nach rechts. Haus Nr. 86 (Alfred Hämpel); Haus Nr. 82 
(das Haus mit dem weißen Giebel - Ferdinand Wähner); davor Haus
 Nr. 83 (Emmrich-Schmiede),

Haus Nr. 89 - Familie Fritz Häring
(Aufnahme: 1999)

Haus Nr. 90 - Familie Gustav Krause (Wiesen-Krause)

Haus Nr. 92 - Familie Sebastian

Haus Nr. 93 - Die Brunzel-Schmiede mit Wohnhaus
(Aufnahme: Juli 2005)

Haus Nr. 99 - Familie Exner
(Aufnahme: Juli 2005)

Haus Nr. 107 - Familie Heinrich Pfeiffer

Haus Nr. 120 (Eventhal) - Friseurmeister Otto Münch

Haus Nr. 124 (Eventhal) - Familie Lösche

Haus Nr. 127 (Eventhal) - Familie Albert Bachmann

Haus Nr. 131 (Eventhal) - Familie Hermann Hübner
(Aufnahme: 1990)

Haus Nr. 136 (Moritzfelde) - Familie Arthur Fichtner


Haus Nr. 140 (Moritzfelde)

In Pfaffendorf gab es früher noch einen Nachtwächter. Es war Paul Winkler und er war viele Jahre als Nachtwächter fest angestellt. Zu seinen Utensilien gehörten Spieß, Kuhhorn, Laterne und Pfeife sowie im Winter Pelz und Mütze. Begleitet wurde er von seinem treuen Hund. Die Zeitstunden wurden auf einer Pfeife bekundet. Um Mitternacht ertönte sein Spruch: " Ihr lieben Leute lasst`s euch sagen, die Uhr hat eben 12 Uhr geschlagen, bewahrt das Feuer und das Licht, dass nie ein Unglück euch betrifft". 
Viele Jahre lebte er in diesem Haus, das später in den Besitz der Familie Badermann überging. Auf dem folgenden Bild sehen wir Paul Winkler mit Hund vor seinem Haus.

Vereine:

Auch in Pfaffendorf gab es mehrere Vereine, allen voran die Freiwillige Feuerwehr.

Das Spritzenhaus und die Feuerwehrspritze aus dem Jahre 1788.

(Federzeichnung von Alfred Matzker, Hirschberg)

Das Feuerwehrhaus (Aufnahme: 1989)

Gesangverein "Rautendelein"

Dieser gemischte Chor wurde im Jahre 1925 gegründet. Vorsitzender dieses Chores war Hugo Feifar, Chorleiter der Eventhaler Lehrer Helmut Stark. Dieser Chor bestand bis zur Vertreibung.
Die folgende Aufnahme ist im Jahre 1934 entstanden.

Nachfolgend einige Bilder aus dem Alltagsleben:

Gutsbezirk Pfaffendorf

Zur Gemeinde gehörte auch das Gut, welches bis zur Eingemeindung einen selbstständigen Gutsbezirk bildete. Es lag im unteren Teil des Ortes und umfasste eine Größe von ca. 500 ha Ackerland, Wiesen und Weiden. Darüber hinaus waren ca. 2.500 ha Wald und Ackerland verpachtet. Neben diesen umfangreichen Ländereien gehörten zum Gutsbezirk das Schloss mit Nebengebäuden, die Försterei, die Schlossgärtnerei und die Brauerei. Das Gut war im Besitz des Kammerherrn Gustav von Heinen und seiner Ehefrau Elise, geborene von Thielau vom Rittergut Schreibendorf. Auf dem Gut waren etliche Pfaffendorfer Bewohner beschäftigt.
Als am 07. Oktober 1898 Herr von Heinen starb, gingen die Kinder der beiden letzten Schuljahrgänge der Dörfer, Pfaffendorf, Eventhal-Moritzfelde und Schreibendorf mit zur Beerdigung. Jedes Kind bekam anschließend eine Tasse Kaffee und eine 10-Pf.-"Flochtsemmel". Der Leichenwagen wurde vom Schloss aus von vier Pferden gezogen und in der Haselbacher Kirche hielten die Förster die Ehrenwache. Der Sarg wurde in der Familiengruft auf dem Haselbacher Friedhof beigesetzt. Elise von Heinen starb 1917 und wurde an der Seite ihres Gatten zur letzten Ruhe gebettet.
Die einzige Tochter des Ehepaares war bereits im Alter von 11 Jahren verstorben, so dass keine Nachkommen vorhanden waren. Nach dem Tod der Frau von Heinen wurde das Gut ein "Stiftsgut", in welchem unverheiratete Damen des schlesischen Adels Aufnahme fanden. Heute leben hier behinderte Männer und Frauen.

Eine zeitgenössische Darstellung des Schlosses 
mit dem wunderbaren Park

Das Schloss vor dem Krieg

Die Vorderseite des Schlosses (Aufnahme: 2004)

Die Rückseite des Schlosses (Aufnahme: 2004)

Rechts im Bild das 1901 errichtete Gästehaus, das sog. Kavalierhaus. 

In diesem Haus wohnte seit 1929 die Familie des Stiftsverwalters.

Das Kavalierhaus (Aufnahme. 2004)

Das Wohnhaus des Gutspächters und des Schweizers 

(Aufnahme: 2004)

Der ehemalige Kuhstall - in diesem Gebäude waren früher einmal ca. 80 Kühe untergebracht. Heute ist dieses Haus sehr schön umgestaltet worden und hier wohnen jetzt ca. 25 behinderte Frauen. 

(Aufnahme: 2004)